Vorbereitung des Combacks. Wird diese Nachricht nicht richtig dargestellt, klicken Sie bitte hier.


Sehr geehrte Musikfreunde,

noch immer hat die Pandemie unsere Welt fest im Griff. Doch es zeichnen sich erste Lichtblicke ab. Die Lockerungen der letzten Wochen lassen ein erweitertes Wirtschafts- und Sozialleben unter Auflagen wieder zu. Und auch für den Bereich der Orchester haben Ministerpräsident Söder und Kunstminister Sibler erste Lockerungen für die Zeit nach Pfingsten in Aussicht gestellt.

Mit der Universitätsklinikum Freiburg, der Bundeswehruniversität München und der Berliner Charité haben sich seit Ausbruch der Pandemie immerhin drei namhafte Institutionen mit der Arbeit von Orchestern beschäftigt. Die Bedeutung unserer Arbeit für die Gesellschaft wird also gesehen! Dabei galt das besondere Augenmerk der Forscher dem Ausstoß von Aerosolen durch Blasinstrumente. Erfreulicherweise konnte hier wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass mit verhältnismäßig geringen Maßnahmen eine zusätzliche Gefährdung durch Aerosole ausgeschlossen werden kann. Um die Sicherheit aller auf der Bühne und im Zuschauerraum zu jeder Zeit zu gewährleisten, arbeiten wir mit unserem Partner der Kur-GmbH bereits mit Nachdruck sehr eng und vertrauensvoll an einem gemeinsamen Hygienekonzept.

Die Kunstminister der Länder stimmen sich gerade bezüglich einer gemeinsamen Vorgehensweise mit der Bundesregierung ab. Am 20. Mai soll es konkrete Informationen geben, unter welchen Auflagen Veranstaltungen wieder stattfinden können. Wir sind daher voller Hoffnung, dass wir Ihnen in der darauffolgenden Woche bereits mitteilen können, wann wir für Sie – zumindest im Freien – wieder Konzerte geben können.

Bis dahin möchte ich Sie einladen uns auch weiterhin über die sozialen Medien zu folgen. Wir haben auf unserem Youtube-Kanal einige sehenswerte Musikvideos veröffentlicht.

Wir freuen uns auf das Wiedersehen!

Felix Breyer                        Christian Simonis
Geschäftsführer                  Chefdirigent


NACHRICHTEN

Erkenntnisse zum Musizieren in der Pandemie

In den vergangenen Tagen haben sich drei deutsche Institutionen der Frage gewidmet, ob und wie Konzerte während der Pandemie möglich sind. Die einzelnen Studien finden Sie hier:

Die Bundeswehr-Universität hat ihre Resultate in diesem Video zusammengefasst. Auf BR Klassik gibt es auch ein Interview mit dem zuständigen Wissenschafter Christian Kähler: als Radiobeitrag und in Textform.

Weltweit studieren Chefdirigenten zurzeit statt Beethovenpartituren solche Studien zu Luft- und Aerosolströmen. Die Forschungsergebnisse bestimmen, ob und wie Chöre und Orchester derzeit musizieren können, ohne sich und ihr Publikum zu gefährden: Wie groß müssen die Abstände sein? Wie viele Musiker passen auf die Bühne? Wie sieht die Sitzordnung aus? Wie konstruiert man einen "Mundschutz" für die Bläser? Auch in Bad Reichenhall arbeiten die Philharmoniker an Plänen für die einzelnen Spielorte, z. B. auch den Pavillon im Kurgarten. Die Kur-GmbH entwickelt paralell dazu ein Konzept für die Besucher – wie das ingesamt aussehen könnte, dürfte in der nächsten Woche spruchreif sein.


Wir trauern um Pavel Limpar

Pavel Limpar war von 1981 bis 2006 Solofagottist der Bad Reichenhaller Philharmoniker. In dieser Zeit hat er an unzähligen Konzerten mitgewirkt und auch als Dirigent dem Orchester große Dienste Erwiesen. Er ist im April im Alter von 76 Jahren verstorben. 

Mehr erfahren Sie in diesem Zeitungsartikel.

INTERVIEW

Am vergangenen Freitag hätte das 3. Philharmonische Konzert im Theater Bad Reichenhall stattfinden sollen. Auf dem Programm stand auch das Stuck „Raptus" von Enjott Schneider, das "die Freiheit des Beethoven" in Töne setzt. Das Konzert musste ausfallen. Wir haben mit dem Komponisten über Corona, Beethoven und Bad Reichenhall gesprochen.

Herr Schneider, Sie sind seit vielen Jahren dem Reichenhaller Konzertpublikum durch Aufführungen, ja sogar Uraufführungen Ihrer Werke durch die Bad Reichenhaller Philharmoniker bestens bekannt. Im Beethovenjahr bot es sich an Ihr Werk „Raptus“ auf das Programm zu setzen, in dem Sie sich in besonderer Weise mit Ludwig van Beethoven auseinandergesetzt haben. Können Sie uns zumindest in Worten Ihre Gedanken zu Beethoven schildern?

Es freut mich sehr und ich bin sehr dankbar, dass in Bad Reichenhall einige Uraufführungen stattfanden: „Florestan & Eusebius. Schumann Gedanken", meine 7. Sinfonie „Dunkelwelt Untersberg", mein Violinkonzert „Augen der Erde“ über u.a. den Königsee mit Ingolf Turban (Vl.), das Schlagzeugkonzert „Geheimnis der Bäume"… So kann ich jetzt den „Raptus. Die Freiheit des Beethoven“ nur in Worten mitteilen: Beethoven hat wie kein anderer den ganzen leidvollen Existentialismus des Menschseins durchlebt – das kosmische Grundgesetz des „Durch Nacht zum Licht“, das Yin & Yang Asiens (das Helle wächst aus dem Dunklen). Nach seiner „heroischen Phase“, wo er wie sein Vorbild Napoleon unbändig „frei“ und revolutionär war, kam plötzlich die Taubheit, die absolute Einsamkeit. Nach der Extraversion die Introversion in die Stille. So ist auch mein Stück angelegt: in der ersten Hälfte viele Zitate zu Kampf, „Eroica“, Sieg, dann plötzlich auskomponierte Taubheit im Pianissimo, wo nur noch von ferne die rätselhaften späten Quartette anklingen. Und sein Dankgesang. Er hat alle Phasen bewusst durchlebt und auch die Einsamkeit beispiellos angenommen und zu Musik gemacht.

Schärft die Corona-Krise bei uns Menschen die Fähigkeit, die Tiefe und Große von Musik zu erkennen?

Lebenserfahrung und -beobachtung zeigen, dass menschliche Weiterentwicklung und Umdenken nur durch Leid geschehen. Auch eine Gesellschaft, die sich in Hamsterrad, Ökonomisierung des Denkens, in computergetriebener Beschleunigung und profitgetriebener Zerstörung des Planeten verrannt hat, brauchte anscheinend diese globale Katastrophe, um zur Vernunft zu kommen. Wer jetzt nur schnell alles wieder ins alte ökonomische Fahrwasser der materialistischen Ausrichtung kriegen will, hat nichts dazugelernt. Deshalb gibt es viel zu grübeln. Es ist ein einmaliges Experiment, das alles zu erleben. Wir lernen, die Welt und uns so klar zu erkennen wie kaum zuvor. Das sage ich bei allem Respekt vor dem Leben und dem riesigen Leid. Aber das Leid der 50 Millionen Flüchtlinge und Hungernden weltweit gab es schon vor Corona. Das fehlende Klopapier hier hat so erst richtig alle aufgeschreckt. Die Abstinenz von Nähe und seelischem Verbundensein – gerade durch Live-Musik – lässt alles in neuem Licht wachsen. Eine Riesenchance.

Am 25. Mai feiern Sie Ihren 70. Geburtstag, wozu wir Ihnen sehr herzlich gratulieren! Welches Resümee ziehen Sie als Komponist?

Nur Dankbarkeit. Mit 14 Jahren sah ich den „Freischütz“. Da wollte ich auch Opern schreiben, Geschichten mittels Musik erzählen, vom Wald, von den guten und bösen Mächten, vom Übersinnlichen. Ich meldete mich sofort für Klavier und Violine an, spielte ein Jahr später schon die Brahmsballade op. 10 und habe meinen Traum gelebt und verwirklicht. Auf www.enjott.com sieht man z.B. die Früchte: 135 Tonträger, 10 Opern, Hunderte von Filmen, Konzerte rund um den Erdball. Was gibt es Schöneres als hier zurückblicken zu dürfen. Das war aber nicht das pure Glück, sondern harte Arbeit und Leiden (hier durchaus mit Beethoven verwandt). Aber – lustvolles Arbeiten ist das befriedigendste im Leben! Man vergisst darüber selbst das Schlafen. Albert Camus hat in seiner berühmten Schrift über den Mythos des Sisyphos als Quintessenz festgestellt: „Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen.“ Deswegen heißt meine riesige 2. Sinfonie auch „Sisyphos“.

Welches Resümee bewegt den Menschen Enjott Schneider?

Einen Traum leben, sensibel bleiben, sich die Frische und Experimentierfreude des Kindes erhalten, nicht erwachsen und vernünftig werden. Und alles aufsagen was kommt, nichts selber besser wissen wollen. Rilke sagte „Kunst ist Kindheit nämlich“. Alles Gute den Musikern und Menschen in Bad Reichenhall. Es kommen wieder gute Zeiten.

ALTE UND NEUE MEDIEN

"Hoch Reichenhall" von Gustav Paepke

"Mondnacht auf‘m Predigtstuhl" von Friedrich Beda Stubenvoll

"Elisabeth Gavotte" von Gustav Paepke

"Hydropathen Walzer" op. 149 von Josef Gung´l

  • Die Aktion "Klingendes Bad Reichenhall" hatte am Ostermontag Premiere. Sie finden einen Bericht samt Video dazu auf der Seite des "Tagblatts". Bis zum 10. Mai musizierten und sangen Philharmoniker und zahlreiche Menschen aus Stadt und Region an den Sonntagen. Die Marke "Klingendes Bad Reichenhall" wird auch nach Ende der Ausgangsbeschränkung dem musikalischen Leben der Stadt erhalten bleiben. 

ZU GUTER LETZT


Wenn Sie diese E-Mail (an: unknown@noemail.com) nicht mehr empfangen möchten, können Sie diese hier kostenlos abbestellen.

 

Bad Reichenhaller Philharmoniker
Orchesterbüro
Salzburger Str. 7
83435 Bad Reichenhall
Deutschland

+49 (0) 8651 762 80 80
kontakt@philharmonie-reichenhall.de
www.bad-reichenhaller-philharmoniker.de
CEO: Geschäftsführer: Felix Breyer

Registergericht: Amtsgericht Traunstein/ Obb.
VR: 20094